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Schweizer Exporte unter Beschuss: US-Zölle setzen Unternehmen unter Druck

Die USA haben am 7. August 2025 einen zusätzlichen Zoll von 39 Prozent auf zahlreiche Schweizer Exporte eingeführt – deutlich höher als für die meisten anderen Länder. Begründet wird dieser Schritt von der Trump-Administration mit ungleichen Handelsbedingungen und dem anhaltenden US-Handelsdefizit gegenüber der Schweiz. Liechtenstein, das zollrechtlich mit der Schweiz verbunden ist, kommt mit 15 Prozent Zusatzzöllen vergleichsweise glimpflich davon.

Die verschärfte Zollpolitik stellt viele Schweizer Exportfirmen vor erhebliche Herausforderungen. Die USA zählen seit Jahren zu den wichtigsten Absatzmärkten. Nach Angaben des Bundesrats gehen knapp ein Fünftel aller Warenausfuhren in die USA, wobei nun ein erheblicher Teil davon unter den neuen Sonderzoll fällt. Besonders betroffen sind Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, die Metall- und Elektroindustrie, Teile der Medizintechnik sowie die Hersteller von Uhren und Präzisionsinstrumenten.

Zusätzlich zu diesen neuen Aufschlägen belasten die bereits bekannten Importzölle auf Stahl und Aluminium nach Section 232 des Trade Expansion Act weiterhin die Schweizer Unternehmen. Sie wurden ursprünglich aus Gründen der nationalen Sicherheit eingeführt und gelten auch für die Schweiz unverändert. Mit Wirkung ab dem 18. August 2025 hat das Bureau for Industry and Security zudem über 400 weitere Zolltarifnummern in die Liste aufgenommen. Für einige Dutzend Positionen bleibt die Einstufung vorerst offen, da noch andere Verfahren laufen. Neben den finanziellen Mehrbelastungen sind es insbesondere die zusätzlichen Nachweis- und Deklarationspflichten, die den Aufwand für Exporteure erheblich erhöhen.

Der Bundesrat versucht derzeit in direkten Gesprächen mit Washington, eine Reduktion der 39-Prozent-Zölle zu erreichen und fordert dabei eine Gleichbehandlung wie mit der EU. Von Gegenzöllen sieht man bislang bewusst ab, um die heimische Wirtschaft nicht weiter zu belasten. Die Strategie setzt stattdessen auf Dialog, gezielte Unterstützung der betroffenen Firmen und eine stärkere Ausrichtung auf alternative Exportmärkte.

Für die Unternehmen selbst bedeutet dies, dass mittel- bis langfristig eine strategische Neuausrichtung unvermeidlich sein könnte. Diskutiert werden unter anderem eine kritische Überprüfung bestehender Lieferketten, die Verlagerung einzelner Produktionsschritte in Länder mit besseren Handelsbedingungen oder auch ein verstärkter Aufbau von lokaler Präsenz direkt in den USA. Auf rechtlicher Ebene können zudem verschiedene Instrumente genutzt werden, um die Belastung zumindest teilweise abzufedern:

  • Nicht präferentielle Ursprungsregeln prüfen: Da die USA eigene Regeln wie das Prinzip der „substantial transformation“ anwenden, kann es lohnend sein, die Ursprungsbestimmung sorgfältig zu überprüfen.
  • Freihandelsabkommen nutzen: Eine stärkere Diversifizierung der Absatzmärkte in Länder mit günstigen Abkommen kann die Abhängigkeit von den USA mindern.
  • Zolltarifnummern analysieren: Eine Anpassung der verwendeten Nummern kann im Einzelfall zu geringeren Zollsätzen führen oder Ausnahmen eröffnen.
  • First-Sale-Regel anwenden: Unter bestimmten Bedingungen kann der niedrigere Preis in einem Vorverkauf für die Zollberechnung herangezogen werden, was die Abgaben entsprechend reduziert.

Die gegenwärtige Situation ist zweifellos anspruchsvoll. Dennoch könnte sie für Schweizer Firmen auch ein Anstoss sein, bestehende Strukturen zu hinterfragen und die gesamte Palette zoll- und handelspolitischer Optionen konsequenter zu nutzen – nicht nur im Hinblick auf die USA, sondern auch auf andere wichtige Märkte.